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#Rückblicke #Einblicke #Ausblicke: Es gibt immer einen dritten Weg

15.12.2020

Das Fachgebiet Wirtschaftsinformatik der TU Darmstadt sensibilisiert für das Thema „Gründen aus der Hochschule heraus“ und zeigt damit alternative Möglichkeiten zum Berufseinstieg in der Industrie oder Forschung auf. Das Studienangebot wurde auch im Jahr 2020 mit großem Erfolg angenommen.

Wer kennt sie nicht, die klassische Frage nach der persönlichen Zukunft, nach dem Festlegen auf einen bestimmten Berufszweig. Gemeint ist damit die Wahl zwischen einer Karriere in der Wirtschaft oder Wissenschaft. Und was wäre eigentlich, wenn keines der beiden Optionen in Frage kommt, sondern der Wunsch nach der Gründung eines eigenen Unternehmens im Vordergrund steht? Dies könnte eine verblüffende Reaktion des Fragestellers hervorrufen, denn der Gründungsgedanke hat sich in vielen Köpfen noch nicht verankert. Dabei könnte die Zeit für ein eigenes Startup eigentlich besser nicht sein.

Peter Buxmann, selbst Gründer und Professor am Fachgebiet Wirtschaftsinformatik | Software & Digital Business der TU Darmstadt, beschäftigt sich schon sehr lange mit dem Thema Entrepreneurship und hat es sich zur Aufgabe gemacht, seine Studiereden für den Gründungsgedanken zu sensibilisieren: „Es gibt immer einen dritten Weg und es liegt an den Hochschulen, die alternativen Möglichkeiten abseits des klassischen Karrierewegs aufzuzeigen und die nötigen Skills dafür zu vermitteln.“  Deshalb wurde das Thema „Entrepreneurship & Innovation“ in die Lehre am Fachgebiet Wirtschaftsinformatik aufgenommen und das Angebot in den letzten Jahren entsprechend ausgeweitet. Denn als Teil der Leitung von dem Gründungs­inkubator StartUpSecure I ATHENE und der langjährigen Zusam­men­arbeit mit HIGHEST, dem Innovations- und Gründungszentrum der TU Darmstadt, weiß Peter Buxmann genau, worauf es bei erfolgreichen Gründungen ankommt. Kein Wunder also, dass die Nachfrage nach den Studieninhalten immer weiter steigt und der Studiengang Wirtschaftsinformatik auch in diesem Jahr wieder den zweiten Platz im Hochschulranking der WirtschaftsWoche erreichte.

Bei dem vielfältigen Angebot zum Thema „Entrepreneurship & Innovation“ wird natürlich auch die Interdisziplinarität großgeschrieben. Dies zeigt sich beispielsweise in der Vorlesung „Creating a Web Startup“, die jedes Wintersemester in enger Zusam­men­arbeit mit Dr. Yossi Maarivi, Deputy Dean an der Adelson School of Entrepreneurship (IDC), angeboten wird. Rund 70 Studierende der Wirtschaftsinformatik, Informatik oder des Sportmanagements erhalten hier tiefgehende Einblicke in die verschiedenen Aspekte, die für eine erfolgreiche Unternehmensgründung vonnöten sind. Die Einteilung in 10 bis 15 Teams intensiviert dabei das praxisnahe Durchspielen eines klassischen Gründungsweges von der Ideenfindung bis hin zum erfolgreichen Markteintritt. Doch damit nicht genug. Auch das Praktikumsangebot „IT (Security) StartUp: From Idea to Implementation” soll Master-Studierende im Studiengang „IT-Security“ in die grundlegenden Aspekte der digitalen Ge­schäfts­modellentwicklung einführen und einen umfassenden Überblick über die Chancen und Risiken der Gründung eines Startups im Bereich IT-Sicherheit geben. Auch hier wird in kleinen Teams gearbeitet, um möglichst hautnah die verschiedenen Skills eines Entrepreneurs vermitteln zu können.  Das Lehrangebot hat schon erfolgsversprechende Gründungsideen hervorgebracht. So belegte das daraus hervorgehende Projekt NeSPA für die Generierung eines individuellen, sicheren Passwortes ohne Speicherung und Synchronisierung beim letzten TU-Ideenwettbewerb in der Kategorie „Studierende“ den dritten Platz. Aufgrund der großen Nachfrage wurde dieses Jahr in Zusam­men­arbeit mit Sebastian Faust, Professor am Fachgebiet Kryptografie, das Informatik-Praktikum „Boots – Build your own Tech Startup“ ins Leben gerufen. Auch hier wird in kleinen Gruppen gearbeitet und die agilen Arbeitsmethoden eines Startups nähergebracht.

Auch die inzwischen gut etablierte Ring­vor­le­sung „Digitalisierung & Startups“ geht in diesem Jahr in die dritte Runde. Das offene Format für Gasthörer*innen und Studierender aller Fachrichtungen stößt mit rund 250 Teilnehmer*innen auf große Nachfrage und ist in Kooperation mit dem Innovations- und Gründungszentrum HIGHEST entstanden. Hochkarätige Gastreferenten mit fundierten Entrepreneurswissen beleuchten aus unterschiedlichen Perspektiven alle wichtigen Fragestellungen, die es für erfolgreiche Gründungprojekte braucht. Egal, ob es um Finanzierung, Teambuilding, Digitalisierung und App-basierte Ge­schäfts­modelle oder Vertriebsstrategien geht – alle wichtigen Facetten werden abgedeckt.

Seit diesem Jahr werden am Fachbereich Recht- und Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten auch zwei Lehrformate unter dem Titel „Entrepreneurship and Innovation Management“ angeboten. Einmal als Nebenfach für Informatikstudierende und einmal als Master­studien­gang für Bachelorabsolventen des Wirtschaftsingenieurwesens. Das Angebot des Nebenfachs ist in enger Zusam­men­arbeit mit dem Fachgebiet Wirtschafsinformatik und Prof. Carolin Bock entstanden, während der gleichnamige Master­studien­gang unter der Federführung von Prof. Alexander Kock und Prof. Carolin Bock geleitet wird.

Der gute Zulauf und die große Nachfrage an den verschiedenen Lehrangeboten zeigen: die Stunde für Entrepreneure, für kreative und innovative Köpfe verbunden mit einem hohen Maß an Agilität ist gekommen. Die beste Zeit für den Weg in die eigene Gründung also. Doch nicht alle begabten Entrepreneure sehen ihre Berufung in einem eigenen Startup. Und das ist auch gut so. Denn auch traditionsreiche Unternehmen brauchen Innovation und damit die Fach- und Führungskräfte von morgen, die ein bisschen mehr Pioniergeist in den bestehenden Strukturen verankern. „Das Thema „Entrepreneurship und Innovation“ geht weit über den Gründungsgedanken hinaus. Es geht auch darum, mit der Ausbildung unseres akademischen Nachwuchses neue und innovative Wege für Unternehmen aufzuzeigen, ein agiles Arbeiten zu ermöglichen und für einen Perspektivwechsel in den bestehenden Führungsetagen zu sensibilisieren“, erklärt Peter Buxmann. Denn eines ist sicher: innovatives Denken und Handeln wird im Zuge der Digitalisierung immer wichtiger und ist für Unternehmen überlebenswichtig. Egal, ob als Entrepreneur im eigenen Unternehmen oder als Fach- oder Führungskraft in der Industrie oder in der Forschung. Verantwortungs- und Risikobereitschaft gepaart mit neuen Ideen sind gefragter denn je. Womit wir wieder bei unserer Ausgangsfrage wären: Es gibt immer einen dritten Weg, auch für die Entrepreneure unter uns.  

 

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