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Finalisten ATHENE UP26@it-sa: RedCastle im Interview
RedCastle ist einer der fünf Finalisten für den ATHENE UP26@it-sa Award
Als IT-Forensiker wurden sie immer erst gerufen, wenn es schon zu spät war. Felix Wanner und Stefan Köhler wollten das nicht länger hinnehmen und haben Red Castle gegründet, um mit einem managed SOC Dienst den Mittelstand wirksam zu schützen. Im Interview erzählen die RedCastle-Gründer von ihrer Gründungsgeschichte, dem teuersten Fehler ihrer Firmengeschichte – und warum sie sich fast nicht für den ATHENE Startup Award UP26@it-sa beworben hätten.

Euer Startup in einem Satz?
RedCastle betreibt ein KI-gestütztes Security Operations Center für den Mittelstand – mit eigenen Analysten, eigener Forensik und Betrieb in Deutschland.
#MittelstandsSOC #ManagedSOC #SecurityFürDenMittelstand
Wann wusstet ihr zum ersten Mal ganz sicher: Genau das fehlt am Markt?
Felix Wanner: "Ich hacke seit über 20 Jahren, seit 18 Jahren stehe ich als IT-Forensiker und EDV-Sachverständiger auf der anderen Seite. Der Unterschied zwischen beiden Rollen ist der Zeitpunkt: Als Hacker komme ich vor dem Schaden, als Forensiker danach. Und danach ist es fast immer zu spät.
Über die Jahre war das Bild vom Mittelständler bis zum Konzern erstaunlich gleich: Werkzeuge sind vorhanden, oft teuer eingekauft, aber falsch konfiguriert und ohne Prozesse dahinter. Der Schwachstellenscanner kennt die offene Lücke, das EDR sieht den verdächtigen Prozess, das externe Monitoring den exponierten Dienst. Nur redet keines dieser Systeme mit dem anderen, und ausgewertet wird am Ende keines davon. Ein Angreifer bewegt sich quer durch alle diese Ebenen, die Verteidigung arbeitet in Silos.
Ganz sicher waren wir uns nach zwei IT-Forensik-Fällen bei RedCastle, die typisch für den Mittelstand sind. Bei einem Kunden lief ein teures EDR, das Audit-Logging war aber vollständig deaktiviert. Bei einem anderen hatte das SIEM mehrere tausend Alarme gemeldet, niemand hat sie ausgewertet, es folgte ein Ransomware-Vorfall. Das Problem ist selten fehlende Technik. Das Problem ist, dass niemand sie betreibt.
Genau dafür haben wir RedCastle gegründet: anstatt 'scheinbarer Sicherheit' gibt es EINE Plattform, die alles zusammenführt, und ein Team, das sie betreibt. Jeden Tag."
Wie groß ist euer Team, wer gehört dazu und wie habt ihr euch gefunden?
Stefan Köhler: "Wir sind 14 Personen: Ich führe als Vorstand Vertrieb und Kaufmännisches, Felix Wanner verantwortet Technik, SOC-Betrieb und Plattformentwicklung, Jasmin Wanner führt das Marketing. Dazu kommen SOC-Analysten, IT-Security und IT-Forensik und Incident Response, IT-Betrieb, Projektmanagement und Buchhaltung.
Gefunden haben wir uns vor über 20 Jahren: Felix und ich sind seit 2003 befreundet, Jasmin ist seine Frau, und auch der Rest des Teams kam hauptsächlich über persönliche Empfehlungen und langjährige Zusammenarbeit dazu.
Besonders sind zwei Dinge: Wir sind eine eingetragene Genossenschaft in Gründerhand – kein Wagniskapital, keine Investoren, Entscheidungen liegen bei uns dreien. Und im technischen Team hat jeder einen einschlägigen Abschluss oder eine anerkannte Zertifizierung, darunter drei Master in IT-Sicherheit und IT-Forensik.
Am meisten ergänzen Felix und ich uns über unsere Persönlichkeiten: Er treibt voran, denkt in Angriffswegen und verlangt dem Team und sich selbst viel ab. Ich bin der Ruhigere, der Dinge zu Ende arbeitet und die Zusagen im Blick behält, die wir Kunden gegeben haben. Ohne ihn wären wir langsamer, ohne mich chaotischer."
Wessen Leben (oder Arbeitstag) macht ihr spürbar einfacher?
Felix Wanner: "Mittelständische Unternehmen zwischen 50 und 1.000 Mitarbeitenden, deren IT-Abteilung aus zwei bis fünf Leuten besteht und niemand davon ausschließlich Security macht. Dazu Betreiber im NIS2- und KRITIS-Umfeld, die nachweispflichtig sind und diesen Nachweis intern nicht erbringen können.
Spürbar einfacher wird der Arbeitstag der Person, die im Unternehmen für IT-Sicherheit geradesteht. Im Mittelstand ist das oft der IT-Leiter in Personalunion, bei regulierten Betreibern der ISB oder CISO. Unsere Plattform hat weit über 50 Millionen Alarme verarbeitet, bei einem Analysten sind davon etwa 18.000, also 0,03 Prozent, gelandet. Den Rest hätte sonst jemand intern sichten müssen, oder, realistischer, niemand. Statt eines Alarmstroms bekommt der IT-Leiter einen Anruf, wenn es ernst ist, mit Einordnung und konkreter Handlungsempfehlung."
Wo steht ihr in einem Jahr, wenn alles gut läuft?
Stefan Köhler: "Wir streben aktuell die ISO-27001-Zertifizierung an, was für nächstes Jahr fest auf der Agenda steht. Kurzfristig bringen wir unseren eigenen XDR-Agenten aus der Beta in den Regelbetrieb und bauen die Vertriebskanäle aus, die wir bisher kaum bespielt haben. In einem Jahr wollen wir bei einer dreistelligen Anzahl an Kunden stehen."
Warum seid ihr überzeugt, dass genau ihr erfolgreich sein werdet?
Felix Wanner: "Wir verkaufen kein Werkzeug, wir betreiben den Dienst. Forensik und Incident Response machen wir mit eigenem Team. Wir sehen also laufend, wie Angriffe tatsächlich ablaufen, und diese Erfahrung geht direkt in unsere Erkennungsregeln. Dazu laufen KI-Modelle und Daten auf eigenen Servern in Deutschland und nicht in einer US-Cloud. Für unsere Zielgruppe ist das kein Nebenaspekt, sondern oft die Voraussetzung für eine Zusammenarbeit. Wirtschaftlich passt es ebenfalls: Ein SOC-Abo kostet weniger als eine eigene Sicherheitsfachkraft."
Was waren die größten Erfolge und Hürden bisher?
Stefan Köhler: "Der größte Erfolg ist, dass die Plattform seit Februar 2026 produktiv läuft, nach mehreren Jahren Entwicklung. Seitdem haben wir bereits Kunden ongeboarded und alles nur über Empfehlungen und ohne Werbung. Dass regulierte, renommierte Kunden uns vertrauen und beauftragen, ist für ein junges Unternehmen keine Selbstverständlichkeit.
Der Tiefpunkt war ein großer Incident-Response-Auftrag, den wir nicht direkt, sondern über einen Zwischendienstleister abgewickelt haben. Bezahlt wurden wir dafür bis heute nicht. Der Fehler war teuer, aber er hat eine Regel geprägt, die bis heute gilt: Wir werden nur noch direkt beauftragt, mit eigenem Vertrag und eigener Rechnung, egal wie attraktiv ein Projekt über einen Dritten aussieht."
Warum habt ihr euch beim ATHENE Startup Award UP26@it-sa beworben?
Felix Wanner: "Ehrlich gesagt hätten wir es fast verpasst. Wir waren so mit dem Ausbau des SOC und der Plattform beschäftigt, dass die Bewerbung untergegangen wäre, wenn uns nicht ein Mitarbeiter auf die verlängerte Frist hingewiesen hätte. Unser Team sieht im täglichen Betrieb ständig Möglichkeiten, wie die Plattform noch besser werden kann, und ich setze das gerne um. Über das Ergebnis nach außen zu reden, kommt bei uns oft zuletzt.
Genau deshalb war die Bewerbung dann die richtige Entscheidung. Die it-sa ist die Bühne, auf der unsere Zielgruppe vor Ort ist und eine Fachjury unser Produkt kritisch prüft."
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