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Drei Fragen an… Stephan Rinderknecht, Professor für mechatronische Systeme an der TU Darmstadt

26.10.2020

In diesem Format sprechen wir mit Menschen aus dem Umfeld Startup und Cyber­sicher­heit über steile Lernkurven, Förderangebote und Tipps für einen erfolgreichen Gründungsstart.

Stephan Rinderknecht ist Professor für mechatronische Systeme an der TU Darmstadt. Mit seiner Gruppe forscht er zu Fragen der IT-Sicherheit in der Fahrzeugtechnik. Vor seiner Professur war er jahrelang in verschiedenen Führungspositionen in der Industrie tätig. Er ist er selbst Mitgründer des StartUps Compredict, einer Analyse-Software, mit der sich Ausfälle von Komponenten, unter anderem in Autos, präzise vorhersagen lassen. In unserem Kurzinterview geht es um Forschungs-Challenges, Anwen­dungs­möglich­keiten und Ideen für einen erfolgreichen Gründungsstart. 

Welches sind die derzeitigen IT-Sicherheitsanforderungen in den Anwen­dungs­fel­dern des Ma­schinen­baus?

Flächendeckend hält die Digitalisierung in zunehmendem Maße in den Anwendungen des Ma­schinen­baus Einzug. Als sehr progressives Beispiel ist hier die Automobilbranche zu nennen. Das Internet of Things ist im Fahrzeug mittlerweile zum Standard geworden. Die Anbindung ans Internet über eine im Fahrzeug verbaute SIM-Karte führt zu einer breiten Palette an Anforderungen rund um die IT-Sicherheit und Privatheit. Geklärt werden muss beispielsweise, unter welchen Bedingungen und für welche Fahrzeugfunktionen ein „Software-Update over the Air“ verfügbar gemacht werden soll. Ferner ist zu beantworten, welche Daten im Fahrzeug bzw. in der Cloud gespeichert werden dürfen und wer diese unter welchen Bedingungen auswerten und nutzen darf.

Auch in den Produktionsbereichen findet die Industrie 4.0 und damit die Digitalisierung mehr und mehr Verbreitung. In diesen Bereichen ist die IT-Sicherheit für den Schutz des zentralen Firmen-Know-hows zu den Produktionsprozessen sowie die Verhinderung von Angriffen, die zur Beeinträchtigung oder gar zum Stillstand der Produktionsanlagen führen, von essenzieller Bedeutung.

Insgesamt kann also festgehalten werden, dass im Ma­schinen­bau wachsende Bedarfe rund um die Themenfelder IT-Sicherheit und Privatheit entstehen.

Zu welchen Themen können wir hier an der TU Darmstadt einen wichtigen Beitrag leisten?

Eine sehr bedeutende Stärke der TU Darmstadt und CYSEC liegt in der offenen und konstruktiven interdisziplinären Zusam­men­arbeit. Gerade hier können wir durch die Synthese der anwendungsspezifischen Systemkompetenzen der klassischen Ingenieur­wissenschaften mit den generischen IT-Ansätzen der Informatik wichtige Impulse setzen. Im Ma­schinen­bau verfügen wir auf Ebene des Gesamtsystems über profundes Wissen zur Gestaltung von Produkten unterschiedlichster Branchen und somit können wir gemeinsam durch Integration innovativer Ansätze der Informatik in diese Produkte zukunftsweisende Beiträge einbringen.  

Welche konkreten Themen und Branchen sind aus Deiner Sicht für Gründungen am vielversprechendsten?

„Smart Big Data Analytics“ sehe ich hier als ein hochattraktives Themenfeld. Dies bedeutet, die heute vor­handenen umfassenden Datenströme zu nutzen, aber lediglich die für die jeweilige Anwendung zielführenden Daten zu speichern und weiterzuverarbeiten. Hierdurch lassen sich Privatheits-Anforderungen durch maximale Transparenz und Verzicht auf Vorratsdatenspeicherung erfüllen und trotzdem die gesammelten Daten mit intelligenten Verfahren anwendungsspezifisch für unterschiedlichste Aspekte wie z. B. effizienzoptimierte Betriebsstrategien oder prädiktive Wartung nutzen. Die Erfüllung aktuellster Aspekte der IT-Sicherheit sollte dabei stets zum Selbstverständnis gehören. Besonders vorteilhaft sehe ich ein Leistungsangebot, das branchenübergreifend vermarktet werden kann. Mit unserer Ausgründung Compredict befinden wir uns bereits seit vier Jahren auf einem solchen Weg, haben den Schwerpunkt dort aber klar auf die Automobilbranche gelegt.

 Vielen Dank an Stephan Rinderknecht für das Interview!

Weitere In­for­ma­tio­nen:

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